Kanadier im Ausland ins Visier von Taiwans Justizsystem geraten
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Nach mehr als vier Jahren voller Rechtsstreit, geschäftlicher Störungen und tiefgreifender persönlicher Härten teile ich, Ross Cline (柯受恩) – kanadischer Staatsbürger und langjähriger ehemaliger Einwohner Taiwans –, öffentlich ein Schreiben, das mir die Staatsanwaltschaft beim Bezirksgericht Taichung im April 2025 zugestellt hat.
Ich teile es nicht, weil es mich entlastet. Ich teile es wegen dessen, was es ist: ein förmliches Schreiben in dichtem juristischem Chinesisch, in dem die Staatsanwaltschaft eine von mir eingereichte Beschwerde über meine eigene Strafverfolgung prüft – und zu dem Schluss kommt, dass sie an ihrem eigenen Umgang mit meinem Fall keinen Fehler findet. Das Schreiben verteidigt die Verurteilung und die sechsmonatige Haftstrafe ausführlich. Es wurde an einen Mann geschickt, von dem die Gerichte wussten, dass er kein Chinesisch lesen kann.
Ein Schreiben, über das sich zwei KI-Systeme nicht einigen konnten
Ich kann kein Chinesisch lesen. Also tat ich, was heute jede und jeder aus dem Ausland in meiner Lage tut: Ich ließ das Schreiben von führenden KI-Übersetzungssystemen übersetzen. Sie kamen zu gegensätzlichen Ergebnissen darüber, was darin steht. Das eine sagte mir, das Schreiben bestätige, dass ich ohne böse Absicht gehandelt und keinen Schaden verursacht hätte. Das andere sagte, es tue nichts dergleichen. Zwei der fortschrittlichsten Sprachsysteme der Welt konnten sich beim Lesen derselben Seite meiner eigenen Gerichtspost nicht über deren Bedeutung einigen – und am Ende brauchte es einen schriftlichen Austausch mit Taiwans Kontrollyuan, um zu klären, was das Dokument tatsächlich aussagt.
Halten Sie einen Moment inne. Wenn selbst modernste KI nicht verlässlich ein einziges Stück dieses Schriftverkehrs entziffern kann, welche Chance hatte ich dann, der ich vier Jahre lang Woche für Woche solche Post erhielt, während meine Freiheit davon abhing, sie zu verstehen?
Ein Hinweis zur Genauigkeit: Eine frühere Fassung dieses Beitrags beschrieb das Schreiben, gestützt auf eine dieser KI-Lesarten, als amtliche Bestätigung, dass ich ohne böse Absicht gehandelt und keinen Schaden verursacht hätte. Nachdem ich inzwischen eine Klärung des chinesischen Originals erhalten habe, habe ich diese Darstellung berichtigt. Ich messe meine eigenen Angaben an demselben Maßstab, den ich an Taiwans Institutionen anlege: Was veröffentlicht wird, muss mit dem übereinstimmen, was die Dokumente sagen. Das berichtigte Bild ist nicht weniger ernst – es ist ein Staatsorgan, das sich selbst überprüft und für fehlerfrei befindet, und zwar in einer Sprache, die sein Adressat nicht lesen kann.
Was die Gerichtsakten selbst zeigen
Das Verständnisproblem ist nicht nur meine Behauptung. Es steht in den Protokollen des Gerichts selbst, die ich durch förmliche Akteneinsicht erhalten habe:
Am 20. Februar 2023 um 18:55 Uhr im Verwahrraum des Gerichtsgebäudes hielt das Protokoll fest, dass das Gericht mich – auf Chinesisch – fragte: 「因現在無法聯繫通譯到場,是否聽得懂中文,是否同意現在開庭?」 („Ein Dolmetscher ist nicht erreichbar – verstehen Sie Chinesisch, und sind Sie damit einverstanden, jetzt zu verhandeln?“). Meine protokollierte Antwort: 「我聽得懂一點中文」 – „Ich verstehe ein wenig Chinesisch.“ Die Verhandlung wurde daraufhin ohne Dolmetscher fortgesetzt, und meine Rechte wurden mir in dieser Situation vorgelesen.
Einen Monat später, am 22. März 2023, lautet meine protokollierte Antwort auf die Frage, ob ich die mir soeben erläuterten Rechte verstanden hätte: 「我聽不懂。」 – „Ich verstehe es nicht.“ An jenem Tag vertagte das Gericht die Verhandlung wegen fehlender Dolmetschung – das Gegenteil dessen, was es am 20. Februar getan hatte.
Das sind nicht meine Erinnerungen. Es sind die eigenen Worte des Gerichts, zitiert aus seiner eigenen Akte.
Für Hintergrundinformationen oder Medienanfragen:
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🇨🇦 New Brunswick, Kanada
Taiwans Medien und Menschenrechte
Nach meiner Erfahrung können Bedenken wegen mutmaßlichen richterlichen Fehlverhaltens auf den üblichen innerstaatlichen Wegen nur schwer vorgebracht oder verfolgt werden. Wo Überprüfungsmechanismen als begrenzt oder unzugänglich wahrgenommen werden, fühlen sich Betroffene möglicherweise gezwungen, unabhängige oder internationale Prüfung zu suchen. Das wirft weitergehende Fragen nach der praktischen Wirksamkeit der vorhandenen Schutzmechanismen auf.
Zur öffentlichen Prüfung vorgebrachte Rechtsbedenken nach dem IPbpR und der taiwanischen Verfassung
Ich lege die folgenden Bedenken zur öffentlichen und fachlichen Prüfung dar. Ich bitte niemanden, meine Schlussfolgerungen zu übernehmen; ich bitte nur darum, dass die Akten – die Protokolle, der Schriftverkehr und die auf dieser Website verlinkten Dokumente – sorgfältig geprüft und objektiv bewertet werden.
1. IPbpR Artikel 14 – Recht auf ein faires Verfahren / Gleichheit vor den Gerichten
Artikel 14 schützt das Recht auf ein faires Verfahren, die Gleichheit vor den Gerichten, die Möglichkeit, sich zu verteidigen, und die Möglichkeit, Zeugen zu laden und zu befragen.
Bedenken: Ich bin der Auffassung, dass meine Verteidigung nicht vollständig gehört wurde, auch wegen Schwierigkeiten, die für meine Darstellung zentralen Zeugenaussagen einzubringen. Die eigenen Akten des Gerichts – darunter eine Verhandlung ohne Dolmetscher, nachdem ich erklärt hatte, nur „ein wenig Chinesisch“ zu verstehen – zeigen, dass Sprachbarrieren nicht durchgängig so behandelt wurden, dass eine echte Teilnahme und Gleichheit vor Gericht gewährleistet waren.
2. IPbpR Artikel 9 – Schutz vor willkürlichem Freiheitsentzug
Artikel 9 schützt Menschen vor willkürlicher Haft oder Bestrafung und verlangt, dass ein Freiheitsentzug rechtmäßigen und fairen Verfahren folgt.
Bedenken: Ich wurde im Zusammenhang mit diesem Fall dreimal in Gewahrsam genommen – das zweite Mal, nach den Angaben der Beamten selbst, infolge einer doppelten Vollstreckung desselben Haftbefehls, zwölf Tage nachdem ich bereits vorgeführt und mit einem festgesetzten Wiedervorstellungstermin entlassen worden war. Wo die Verfahrensfairness erheblich beeinträchtigt ist, können Strafen in ihrer Wirkung willkürlich werden.
3. Verfassung Taiwans Artikel 16 – Recht auf gerichtlichen Rechtsschutz
Artikel 16 garantiert den Zugang zu gerichtlichem Rechtsschutz, wenn Rechte verletzt werden.
Bedenken: Ich glaube, dass mir kein wirksamer Rechtsbehelf für die von mir vorgebrachten Verfahrens- und Fairnessmängel zur Verfügung gestellt wurde. Das oben verlinkte Schreiben vom April 2025 ist das Ergebnis der Prüfung meiner Beschwerde: Die Behörde, über die ich mich beschwert habe, prüfte sich selbst und sprach sich frei. Wo behauptete Mängel keiner unabhängigen Überprüfung unterliegen, kann die verfassungsrechtliche Garantie in der Praxis geschwächt werden.
4. Weitere Bedenken zu Verfahren und Gleichbehandlung
- Gleichheit vor dem Gesetz (IPbpR Artikel 14): Ich glaube, dass mein Status als in Taiwan lebender Ausländer und meine dokumentierten Sprachschwierigkeiten mich erheblich benachteiligt haben, ohne dass dies wirksam ausgeglichen wurde.
- Faire Beweiswürdigung: Ich bin der Ansicht, dass relevante Beweise, die meine Darstellung und den Kontext stützen, nicht vollständig gewürdigt wurden und eine unabhängige Überprüfung verdienen.
- Verhältnismäßigkeit: Selbst wo ein Verstoß festgestellt wird, sollten Strafen verhältnismäßig bleiben. Eine sechsmonatige Freiheitsstrafe und ein Strafregistereintrag wegen eines Mietstreits sind meines Erachtens in Wirkung und Folgen übermäßig.
Zusammenfassung
Ich bitte Leserinnen, Leser und Beobachtende zu prüfen, ob die Akten die folgenden Fragen stützen:
- Ob meine Verteidigung und meine Zeugen tatsächlich gehört und berücksichtigt wurden.
- Ob Sprachbarrieren angemessen behandelt wurden, um Gleichheit bei der Teilnahme zu gewährleisten – auch in der Verhandlung vom 20. Februar 2023.
- Ob die Beweise fair und umfassend gewürdigt wurden.
- Ob das Strafmaß im Verhältnis zum Verhalten und seinem Kontext steht.
- Ob ein wirksamer Rechtsbehelf besteht, wenn die Stelle, die eine Beschwerde prüft, die Stelle ist, über die Beschwerde geführt wird.
Diese Fragen lassen sich anhand der Dokumente und Verfahrensakten beurteilen, die auf dieser Website öffentlich zugänglich gemacht wurden.
Ich lade Journalistinnen und Journalisten, Rechtsexpertinnen und Rechtsexperten sowie Menschenrechtsorganisationen respektvoll ein, das Material zu prüfen und, wo angemessen, diese Bedenken auf geeigneten Wegen vorzubringen.
Weitere Dokumentation: Für weitere Materialien oder Anfragen kontaktieren Sie mich bitte oder nutzen Sie die Archiv-Links unten.
Schreiben der Staatsanwaltschaft vom April 2025 (PDF)
Briefe in der Taipei Times, 2025 – archiviert, mit Berichtigung
18 Kommentare
感謝您的留言。然而,您所提出的觀點,無論是出於誤解還是有意曲解,皆嚴重扭曲了本案的事實核心及其涉及的國際人權法違反問題。
您引用函件中所提及的「三審制度」、「上訴機會」、以及「依照國內法辦理」等程序性描述,似乎試圖以程序之正當性取代實體之公正。然而,我們必須明確指出:程序的存在並不能掩蓋實質的不正義。如果一個司法程序反覆忽視有利於被告的證據、剝奪其翻譯權、無視國家級電視播放的無罪影片,最終在無任何惡意或實質損害情況下仍予以定罪與處罰,這並非「審判」;這是法律的偽裝,乃制度性的錯誤。
您所援引的台灣法務部函文,明確表示如下:
我的行為無惡意;
未造成任何實質損害;
案件已結案,但刑罰仍須執行。
正是這樣的邏輯矛盾,構成了教科書式的人權侵害案例:當一個政府一方面承認行為人無罪,卻另一方面仍堅持執行刑罰,並聲稱「雙方皆無錯」,這不是依法行政,而是壓迫的制度化表現。
若將此結果視為「正義實現」,不僅令人質疑其法律素養,更可能顯示其與該體制有直接利害關係。至於您提問「你是不是逃犯?」此問法本身即具誤導性與煽動性。若一人被迫在無罪前提下離開居住國,以逃避荒謬刑罰,其真正的法律問題應是:為何一個政府明知行為無害卻仍執意懲罰?
您的詭辯無法改變事實,反而進一步凸顯問題核心。
我亦必須指出,若同樣情況發生在本國國民身上,是否會有相同待遇?我們不禁合理懷疑。當一名外籍人士被不成比例地檢控,且反覆遭到基本審判權利之剝奪,便構成制度性偏見與選擇性執法——此類行為在國際人權法下,已屬種族歧視之範疇。
若您堅稱「程序正當」、「無罪證據」、「無犯意」皆無意義,且國家僅因其自稱無誤便永遠正確,那麼您所擁護的,絕非法治,而是極權統治。
Thank you for your comment, which — whether by ignorance or intention — grossly misrepresents both the facts of the case and the clear violations of international human rights law at its core.
You cite the procedural milestones in the letter — “three levels of judgment,” “opportunity for appeal,” and reference to domestic legal code — as if mere process equals justice. But let us be perfectly clear: procedural formality does not excuse substantive injustice. A multi-level process that repeatedly ignores exculpatory evidence, denies a defendant their right to an interpreter, overlooks national broadcast video evidence, and issues punishment without proven harm or intent, is not a fair trial — it’s a legal charade.
The final letter you reference — issued by Taiwan’s Ministry of Justice — expressly acknowledges that:
There was no malicious intent in my actions;
No harm was caused;
And the matter is now closed, yet the sentence remains.
This contradiction is precisely what defines a textbook human rights violation: when a government acknowledges innocence but upholds punishment, then claims both parties — the defendant and the judiciary — did “nothing wrong.”
That is not law. That is institutionalized oppression.
To suggest this outcome reflects justice is either intellectually dishonest or legally illiterate — or worse, indicative of someone who is part of, or defending, the very judicial establishment responsible for this abuse. Your question — “Are you a fugitive?” — is both inflammatory and telling. If a person is forced into exile under threat of incarceration for something the state itself agrees caused no harm and was done without intent, the real legal question is: What kind of government continues to demand punishment anyway?
Your rhetorical gymnastics do not change the facts. They only reinforce them.
I also note the unspoken but inescapable subtext: Would this have happened to a local Taiwanese citizen under the same conditions? I sincerely doubt it. When a foreign national is disproportionately prosecuted and systematically denied basic trial protections, yes, it raises serious questions of systemic bias and discriminatory enforcement — which, under international law, qualifies as racial discrimination.
If your position is that due process, exonerating evidence, and lack of intent mean nothing — and the state is always right simply because it says so — then you are not defending law. You are defending tyranny.
尊敬的評論者,
感謝您的關注與評論。為釐清事實,特此說明:
1. 根據臺灣法務部於2025年4月出具的正式函文,檢察機關明確認定本人「並無惡意,亦無實質損害」,亦即本案並無實質犯罪行為。 此為官方文件所載,非個人主觀詮釋。
2. 儘管檢方已確認無犯罪事實,法院仍維持原判,要求本人服刑六個月或執行1,086小時的社會勞動,理由僅為「未表達悔意」。 然而,對於一項被官方認定為無罪的行為,要求表達悔意,實屬法律與邏輯上的矛盾。
3. 本人離開臺灣,並非逃避法律責任,而是在歷經四年的法律程序後,於法律顧問建議下所作出的決定。 在此期間,本人曾遭遇多次訴訟、缺乏適當法律協助,以及在關鍵程序中未獲提供翻譯服務,已嚴重影響基本人權。
4. 根據《公民與政治權利國際公約》第14條,任何人皆有權獲得公平審判。 本案中,檢方已確認無犯罪事實,卻仍要求服刑,顯然違反該公約所保障之權利。
5. 此外,根據《世界人權宣言》第9條,任何人不得遭受任意逮捕、拘禁或放逐。 在無犯罪事實的情況下,仍強制執行刑罰,亦違反該宣言之規定。
若您對上述事實有不同見解,歡迎提出具體法律依據進行討論。但請避免人身攻擊,並以理性、客觀的態度面對此事。
此致
敬禮
羅士克林(Ross Cline)
ross@rosscline.com
rosscline.com
加拿大新不倫瑞克省
+1 506-321-8659
Thank you for your comment. I welcome sincere scrutiny of the facts — which is precisely why I’ve shared the original judicial documents for public review.
However, to clarify:
1. The April 2025 letter from Taiwan’s Ministry of Justice explicitly acknowledges that I acted “without malicious intent” and caused “no actual harm.” That finding is not my interpretation — it is quoted directly from the document. The prosecution further acknowledges the case is “closed.”
2. Despite these admissions, the original sentence remains — six months imprisonment or 1,086 hours of community labor — not because of new or aggravating factors, but purely due to the claim that I have not shown “remorse.” It is legally and ethically contradictory to admit no crime occurred while still enforcing criminal penalties for lack of remorse for a non-crime.
3. The notion that I “fled” Taiwan is also misleading. On the advice of legal counsel, I left the country only after exhausting all reasonable legal remedies — having already been subjected to repeated prosecutions, denied proper counsel, and denied interpretation during key proceedings.
4. A person who leaves a jurisdiction after being denied fair trial standards and due process protections — and after being told by a lawyer to do so or risk incarceration — is not a fugitive. They are a victim of judicial abuse and seeking protection. That distinction matters greatly under international human rights law.
5. Lastly, the argument that this process “meets international human rights standards” is fundamentally flawed. A system that ignores exculpatory evidence, denies language access, admits no crime occurred, and yet upholds imprisonment, fails both Article 14 of the ICCPR (right to a fair trial) and Article 9 (protection from arbitrary detention) — two of the exact conventions Taiwan’s own government claims to uphold.
If anyone believes there is a different interpretation that withstands international legal scrutiny, I invite that discussion openly. But personal attacks or selective readings of cherry-picked lines from a four-page bureaucratic document do not change the full legal and ethical context — nor the deep, lasting damage done to my life by this system.
Respectfully,
Ross Cline (柯受恩)
rosscline.com
ross@rosscline.com
+1 (506) 321-8659
Which part did you read there’s violation of international conventions in the letter? This (end of page 1) says total opposite: 足認台端上開罪刑,係經檢察官證據調查後提起公訴,歷經三個審級、不同法官所為之公正裁判審理,並予以審級救濟機會,審理過程與我國刑事訴訟法、大法官解釋意旨規定無違,且合於前揭世界人權宣言、公民與政治權利國際公約之規定,台端空言指摘判決違法不當,應屬無據。
四、綜上,本署檢察官依合法確定判決據以執行,本件查無違法失當之處。